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Ort damals und heute

Die Mahlmühlen

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp.“ Das Lied ist eines von vielen Liedern über Mühlen. Die Römer brachten die Technik der Wassermühlen mit in unsere Heimat. Mit der Kraft des Wassers wurden unter- bzw. oberschlächtige Wasserräder angetrieben. Sie wurden nicht allein dazu genutzt Korn zu mahlen, sondern auch andere Maschinen wie Schrotmühlen, Aufzüge und Sägen anzutreiben. Später ersetzten leistungsstärkere Turbinen die hölzernen oder eisernen Wasserräder. Jahrhunderte lang waren die mit Naturkraft angetriebenen Mühlen lebensnotwendig für die Versorgung der Menschen. Abhängig von der zur Verfügung stehenden Energieform wurden die Mühlen entwickelt und gebaut.
Die zuoberst gelegenen Wasserräder wurden in Dreimühlen betrieben. Der Ortsname rührt mit Sicherheit nicht von den in den letzten Jahrhunderten dort betriebenen drei Mühlen her. Er bestand schon, als es in Dreimühlen erst eine Mühle gab. Die älteste uns bekannte Nennung des Namens stammt aus einer Urkunde der Abtei Steinfeld aus dem Jahre 1502. Dort wird ein Meister Geyrlich von Drynmullen genannt, der dem Kloster von seinen Gütern zu Weyer abgabepflichtig war.

Die nächste Erwähnung finden wir in einer Urkunde des Archivs der Burg Rösberg vom 18.11.1511, in der der  Schultheiß Johann von Dreymühlen mit anderen einen Kaufvertrag zwischen Beatrix Baurs von Einaten und Richard Krumel von Nettersheim unterschreibt.
1552 wird Drymoellen in einer Urkunde der Stadt Münstereifel erwähnt. Um 1609 wurden nach einer Urkunde des Stifts Münstereifel Lehnsleute zu einem sogenannten Coppelessen eingeladen, dazu gehörten auch die Lehnsleute von     »Wier, Dreimüllen, Iservey, ad ungefähr 36 Personen«.

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Die älteste der drei Mühlen des Ortes Dreimühlen ist die unterhalb der Straße gelegene Mühle Giesen (siehe Foto oben). Das heute stattliche Gebäude ist mehrfach erweitert worden und bestand ursprünglich nur aus dem heutigen Untergeschoß. Die Wohnung des Müllers war in dem neben der Mühle liegenden Haus, das heute teilweise abgerissen ist. Zur Mühle gehörten auch die oberhalb der jetzigen Bundesstraße gelegenen Gebäude. Das Wohnhaus Dahmen, Pescher Weg 2, soll früher Eselsstall der Mühle und Gasthaus gewesen sein.

Die Mühle hatte ursprünglich drei hintereinanderliegende Mühlräder mit drei Mahlwerken für unterschiedliches Mahlgut. Franz Giesen, der letzte Müller der Mühle, entsann sich noch, bei Umbauten in der Mühle Reste des alten Mahlgutes, wie Buchweizenspreu, an den ehemaligen Standorten dieser Mahlwerke gefunden zu haben. Der Name Dreimühlen wird wohl auf die drei Mühlräder dieser Mühle Bezug genommen haben. Über das Alter der Mühle Giesen besitzen wir keine Belege.

Die Mühle ist in ihrem Kern wahrscheinlich mindestens so alt wie der Ortsname Dreimühlen, bestand also wohl schon vor 1502. Joist Cremer aus Eiserfey bezeichnet 1738 diese Mühle als die alte Mühle in Dreimühlen. 1750 hatte nach einer Urkunde des Stifts Münstereifel die Mühle den Mahlzwang zu Harzheim, d. h. die Harzheimer muss-ten in dieser Mühle ihr Getreide mahlen lassen, was gesicherte Einnahmen für die Mühle bzw. deren Eigentümer bedeutete. Offensichtlich war die Mühle zeitweise begehrtes Objekt für verschiedene Grundherren. Joist Cremer erwähnt 1738, die Mühle zu Dreimühlen gehöre dem Freiherrn von Nesselrath, 1745 verpachtet der Freiherr von Weichs, Burgherr von Weyer, 1/8 der Mühle zu Dreimühlen an den Schultheiß Gerhard Peter Eylertz. 1771 werden als Besitzer der Mühle der Freiherr von Twickel zu 3/4 und der Freiherr von Weichs zu 1/4 genannt. Der Freiherr von Weichs besaß wohl noch nicht lange Rechte an der Mühle zu Dreimühlen. In einem umfangreichen Schriftwechsel mit dem Kurfürsten von Köln versuchte nämlich noch 1734 sein damaliger Verwalter der Burg Weyer, Gerhard Peter Eylertz, die Konzession für eine eigene Mahlmühle des Dingstuhls Weyer bei Dreimühlen zu erhalten, was ihm aber nicht gelang. Die Einkünfte der Mühlen hingen von der Größe des Kundenkreises ab.

Zwangsmühlen, wie die Mühle zu Dreimühlen, hatten eine sichere Einnahmequelle, während die privaten Mühlen in ihren Einzugsbereich, über das »Gemähl«, einig werden mussten. Das Gemähl der Mühle Giesen umfasste bis in die Gegenwart Harzheim, Pesch und teilweise Weyer. Das Gemähl der Nachbarmühlen war dem Grunde nach festgelegt, doch kam es immer wieder zu Übergriffen und Streitigkeiten. So wird aus jüngster Zeit noch berichtet: Nach dem ersten Weltkrieg erwarb Giesen als erster Müller der Gegend einen LKW und dehnte daraufhin sein Gemähl sehr zum Ärger der zahleichen anderen Mühlen im Feytal auf weitere Orte aus. Das Gemähl der Mühle Derichs in Dreimühlen umfasste die Orte Zingsheim, Engelgau, Tondorf, Rohr, Frohngau und einzelne Gehöfte in Weyer.

Die Mühle Falkenstein in Eiserfey hatte ihre Kunden in Eiserfey, Lorbach und Bergheim, vor 1600 war sie auch Zwangsmühle für Vussem. Zum Gemähl der Mühle in Vollem gehörten Vollem, Urfey, Kallmuth, Dottel und Keldenich. Wer nach dem Ende der Adelsherrs auch als Gemeinderatsmitglied, Ortsvorsteher von Eiserfey und Schöffe angesehenen und aktiven Bürger. 1986 gab Franz Giesen, Hamachers Urenkel, das Gewerbe auf.

Die Mühle oberhalb von Dreimühlen wurde bis 1958 vom Müller Wilhelm Derichs betrieben, der 1973 starb. Nach dem Verkauf des Hauses durch seine Erben wurde ein Schuppen abgerissen und das ganze Haus zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut. Vor Derichs wurden die Müller Lichtenberg und Korth erwähnt und bis zur Mitte des vorletzten Jahrhunderts die Familie Bollig. Bollig waren ursprünglich wohl Ackerer in Dreimühlen. 1730 bitten Peter und Johann Bollich aus Dreimühlen den Kurfürsten von Köln um die Genehmigung zur Erbauung einer Mahlmühle in Dreimühlen.

Die Akte mit dem Antrag auf Konzession ist erhalten (HSTA. Düsseldorf, Kurköln Nr. 255). In dem Schriftwechsel von 1730 fragt nach Bollichs Antrag der Kurfürst nach, ob die Mühle niemandem nachteilig sei und welche jährliche Gebühr der Antragsteller zu entrichten bereit sei. Im weiteren Schriftverkehr werden keine schwerwiegenden Gründe gegen die Errichtung der Mühle vorgebracht. Es wird nachgefragt, »untersuchen zu lassen, ob und wie die untere von der oberen neu zu erbauenden Mühle benachteiligt werden könnte«. Johann und Peter Bollich teilen dem Kurfürsten mit, dass die vorgesehene Mühle »niemandem von den benachbarten Mühlen hinderlich sei, sondern für das Dörflein und die benachbarten Dörfer zum Vorteil gereiche«. Die Antragsteller bieten an, eine relativ hohe Gebühr von einem Goldgulden jährlich zahlen zu wollen. Schultheiß und Geschworene des kurkölnischen Gerichtsdingstuhls Weyer schließen sich in einem Schreiben des gleichen Jahres der Meinung der Gebrüder Bollich an und sehen in der Errichtung der Mühle nur Vorteile für das Dorf und den Dingstuhl Weyer. Die Akte enthält keine förmliche Konzession. Mit dem Bau der Mühle wurde aber sicher sofort begonnen, da sie fünf Jahre später nach anderen Urkunden in Betrieb war.


Über das Alter der dritten Mühle, der Ölmühle (siehe Bild links) unterhalb Dreimühlen, gibt uns auch eine Akte (HSTA. Düsseldorf, Kurköln Nr. 250) genaue Hinweise: Im Jahre 1666 beantragt Johann Krämer von Drey-Müllen, auf seinem Grundeigentum unweit des Ursprungs des bei Dreymüllen vorbeifließenden Ba-ches eine »ohlichs Mühl« erbauen zu dürfen. Das kurfürstliche Amt Hardt erteilt Johann Krämer am 26. April 1666 die beantragte Konzession gegen Zahlung einer Abgabe von jährlich einem Reichstaler. Da die Akte für die nächsten 130 Jahre keine weiteren Schriftstücke mehr enthält, kann man davon ausgehen, dass in diesem Zeitraum die Ölmühle betrieben wurde und die Müller die jährliche Abgabe an den Kurfürsten von Köln regelmäßig gezahlt haben. Am 31. Mai 1791 teilen die Erben des verstorbenen Hubert Schneider aus Eiserfey dem Erzbischof mit, dass die Mühle wegen Unrentabilität abgebrochen werden solle. Die Erbengemeinschaft verzichtet auf die Konzession und bittet um Erlass der jährlichen Abgabe von einem Reichstaler. Die Mühle ging später in das Eigentum des Bleibergwerks Mechernich über und wurde schließlich 1958 von der Familie Sistig gekauft, nachdem sie dort seit 1930 wohnte.

Mühle Falkenstein Eiserfey
Die vierte Mahlmühle, in der Ortsmitte von Eiserfey, wird schon in einem Weistum von Vussem aus dem Jahre 1597 als Zwangsmühle für Vussem erwähnt. Aus den folgenden Jahrhunderten liegt uns nur die Mühlenakte aus den Jahren 1738-1740 vor. Damals musste der Eiserfeyer Müller Joist Cremer dem Kurfürsten von Köln eine jährliche Gebühr von einem Reichstaler als sogenanntes „Flußgeld“ zahlen. Da kurz vorher die Mühle Bollich in Dreimühlen und die Mühle in Vollem gebaut worden waren, fand ein harter Konkurrenzkampf der Müller um die Kunden statt. Joist Cremer geriet in arge Not. Er wandte sich 1738 in einem flehentlichen Brief an den Kurfürsten und schrieb: „Wegen der vor fünf Jahren in Vollem und vor drei Jahren in Dreimühlen neu errichteten Mahlmühlen sei ihm an seiner von seinen Eltern ererbten und vor undenklichen Zeiten erbauten Mahlmühle sein bis dahin gehabtes Gemähl völlig genommen. Seinen Kindern fehle das Brot und seinem Vieh die Atzung, und er sei gezwungen, seinen Kindern den Bettelstab in die Hand zu geben“. Er bittet, ihm die schon zwei Jahre rückständigen Gebühren jetzt und künftig »ums Gottes willen« zu erlassen.

Mit Datum vom 3.Januar 1738 bestätigen mehrere Zeugen: Die Dörfer Volheim, Uhrvey und Calmuth, auch etliche aus Dottel und Keldenich, hätten immer in der Mühle in Eiserfey gemahlen. Diese Dörfer seien nun der Mühle in Volheim zugefallen. Die alte Mühle in Dreimühlen, dem Freiherrn von Nesselrath gehörig, sei Zwangsmühle der Herrschaft Harzheim. Die vor drei Jahren neu erbaute Mühle in Dreimühlen bediente Weyer, Zingsheim und das halbe Dorf Eiserfey.
Nach einigen weiteren Rückfragen bewilligt Clemens August Kurfürst zu Köln am 27.Januar 1740 eine Ermäßigung der Gebühr.
Die Mühle wurde bis in die Gegenwart weiterbetrieben. Aus der Zwischenzeit gibt es nur wenige schriftliche Hinweise. 1801 wird in der Bevölkerungsliste der Müller Hilger Poensgen aufgeführt. 1868 wurde die damals im Besitz der Brüder Arnold und Gerhard Müller befindliche Mühle mit sämtlichen Ländereien zwangsversteigert. Der letzte Müller, Hubert Falkenstein, verstarb 1961. Nach seinem Tode wurde die Mühle stillgelegt, Mühlrad und Mahlwerk sind aber noch immer voll funktionsfähig.

Das Foto oben zeigt ein Teil vom Mahlwerk.

Die Mühle ist jetzt nur noch Wohnhaus (siehe Foto rechts) und in Privatbesitz. Das Wasserrad wurde, weil es zu verrotten drohte, im Jahre 1982 restauriert. Der Betrieb der Mühle lohnte sich nicht mehr. Heute ist sie wie ein Museum hergerichtet. Nur aus reiner Liebhaberei drehen sich noch ab und an die alten Zahnräder.

 

 

 

 

 

Die bisher genannten Mühlen lagen am jetzigen Hauserbach. Eine weitere Mühle wurde von dem Wasser des Feybaches, der südwestlich von Urfey entspringt, angetrieben.

Es handelt sich hier um die Mühle „Korth“ in Vollem. Nennungen zufolge wurde die Mühle 1733 erbaut. Aus einer Mühlenakte von 1738-40 ist ersichtlich, dass die Mühle einige Jahre zuvor errichtet wurde. Sie war Bannmühle (Zwangsmühle) für die Orte Urfey, Vollem, Kallmuth sowie Ortsteile von Dottel und Keldenich. Die Mühle ist heute noch voll funktionsfähig und gut einzusehen Der genaue Zeitpunkt der Betriebsaufnahme dieser Mühle ist nicht bekannt. 1970 stellte die noch gut erhaltene und funktionsfähige Mühle ihren gewerblichen Mahlbetrieb ein. Bis 1990 wurde in dieser Mühle noch Viehfutter für den eigenen Bedarf geschrotet. Der Zustand der Mühle ist gut und sie ist noch voll funktionsfähig.

 

 

Beitrag von Willi Brüll (†), ergänzt und überarbeitet von Wolfgang Meyer (aus "Zeitgeschichte mit Geschichten durch die Geschichte", Schrift ist beim Bürgerverein Eiserfey käuflich zu erwerben)

 

Quellen und Literatur:
Bauer: Das Veybachtal, eine alte Eifeler Mühlenlandschaft (Heimatkalender Kreis Schleiden 1969)
Michael Hamacher: Mühlen im Feytal zwischen Dreimühlen und Burgfey (Jahrbuch 2012 Kreis Euskirchen)
Die Mahlmühlen (Festschrift zum 1125jährigen Ortsjubiläum, Ortskartell Eiserfey)

1150 Jahre Eiserfey- Zeitreise mit Geschichten durch die Geschichte, S.23 - S.27 (Herausgeber: Bürgerverein Eiserfey)