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Der Ortsname Eiserfey

Der Name »Fey«
Der Name des Feytales (Herleitung) mit den zugehörigen Ortsnamen von Urfey und Eiserfey flussabwärts über Burgfey und Katzvey bis Satzvey und Veynau ist eines der reizvollsten Probleme unserer Heimatgeschichte.

Die beiden Quellbäche des Feybaches, Urfeyer Bach und Hauserbach, trugen ursprünglich beide den Namen Feybach. Noch in einer amtlichen Urkunde von 1829 wurde der durch Eiserfey fließende Bach als östlicher Arm des Feybaches bezeichnet. In einem Schreiben der Regierung Aachen von 1865 heißt der durch Eiserfey fließende Bach Feybach und der von Urfey kommende Arm Vollemer Bach. Die Bezeichnung Hauserbach hat sich also erst in jüngster Zeit eingebürgert, zur Unterscheidung von dem aus dem Urfeyer Tal kommenden Quellbach, so genannt nach seinem Quellgebiet in den Hauserbenden oberhalb Dreimühlen.

Nach dem Namen des Baches wurde unser Ort benannt. Noch heute heißt Eiserfey in der Mundart »Fey«, und die Einwohner werden »Feyede« genannt. Der ursprüngliche Ortsname Fey wurde erst im Spätmittelalter zu Eiserfey erweitert, zu einer Zeit, als es hier schon Erzbergbau und Eisenhütten gab. Die Schreibung des Namens »Fey« mit F oder V ist rein zufällig. Von der mundartlichen Aussprache her wäre V sinnvoller. Im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen ist die Schreibweise Feybach üblich, im ehemaligen Regierungsbezirk Köln werden der Bachname und die dortigen Ortsnamen mit V geschrieben. Wir übernehmen hier die Schreibweise mit F, wie sie auch im heutigen Ortsnamen Eiserfey festgehalten ist.
Der Name Fey ist keltischen oder vorkeltischen Ursprungs und zurückzuführen auf keltisch Fachina, das gleichbedeutend ist mit dem Wort Bach und »die Eilende, Schnellfließende « bedeutet. Den Kelten war das hnellfließende, erfrischende, Leben und Kraft spendende Wasser des Baches in besonderer Weise Ausdruck des Göttlichen in der Natur. Sie ehrten den Feybach als eindrucksvolles Sinnbild der nach ihrer Meinung göttlichen Kräfte der Natur.

Sorgsam achteten die Ureinwohner darauf, dass der Feybach und das Feytal als natürlicher Lebensraum unberührt blieben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Vorstellung, dass Bach und Tal von Naturgottheiten, den Juffern, bewacht würden. Die Sagen von der Juffer Fey und ihren sieben Töchtern haben sich bis heute erhalten. Der jeweilige Ortsname sagt nicht zwangsläufig etwas über das tatsächliche Alter einer Siedlung aus. Es kann sein, dass ein Ort schon in der römischen Zeit bestanden hat, von den Franken, nach deren Eroberung, allerdings neu benannt wurde.

Vom geschichtlichen Werdegang des Altkreises Schleiden sind vier Siedlungsperioden zu unterscheiden:
1.die keltisch-römische Zeit (bis 400 n. Chr.)
2.die fränkische Landnahme und erste Ausbauzeit (400-800 n. Chr.)
3.die Rodungszeit des Mittelalters (800-1300 n. Chr.)
4.die Zeit der Industrie- und Kleinsiedlungen (ab 1300 n. Chr.)

In die vorrömische Zeit weisen Namen, die ursprünglich Gewässernamen waren, die aber als Siedlungsnamen jüngeren Datums sein dürften:
So z. B. (Eiser)fey – Fachina, Nöthen – Notinna oder Scheven - Scabina).
Die Naturreligion der Kelten ging mit der Besetzung unserer Heimat durch die römischen Truppen Cäsars im Jahre 53 v. Chr. unter.

Die Schutzgöttinnen des Feybaches lebten aber weiter als Matronen, das waren Mutter- und Schutzgottheiten, die besonders im Rheinland verehrt wurden. Bei Billig und Zingsheim wurden Matronen-Weihesteine gefunden, die den »Matronis Fachineis« geweiht waren und aus der Zeit um 200 n. Chr. stammen.


Auf einem kleinen Altärchen, dessen Abguss am Matronentempel in Zingsheim steht, ist die Inschrift unbeschädigt erhalten. Sie lautet:
M(a) T(ronis) FACHINE- IS L(ucius) CELER- IS PRO SE ET SUIS L(ibens) M(erito).
In Klammern die Ergänzung der damals üblichen Abkürzungen. Das heißt: »Den Fachinehischen Matronen (hat) Lucius Celeris für sich und die Seinen gern (und) nach (ihrem) Verdienst (sein Gelübde erfüllt) « Die Matronae Fachineae sind außer in Zingsheim, oberhalb des Quellgebietes des Feybaches, und bei Billig am Unterlauf des Baches, nirgendwo belegt. Wir können sicher davon ausgehen, dass sich diese Namen auf Feybach und Feytal beziehen. Damit besitzen wir in Stein gemeißelte, fast zwei Jahrtausende alte Hinweise auf den Namen Fey. Daraus können wir aber noch nicht auf das Alter des Ortsnamens und des Ortes schließen.

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F

 

Früheste urkundliche Erwähnung des Ortes Eiserfey
Karl der Große machte Aachen zur Hauptstadt seines Reiches. Er und seine Nachfahren weilten oft zur Jagd in der Eifel und erwarben Dörfer, Gehöfte und Ländereien. Die noch um 1800 bestehende Siedlung Königsfeld und der Name Königstraße für den Kreuzweg oberhalb Weyer erinnern an solche Besitzungen. Die Karolinger hatten eine enge Beziehung zum Kloster Prüm und bedachten es mit vielen Schenkungen.

Zu der Zeit König Lothars II., dem Urenkel Karls des Großen, war Prüm eines der reichsten Klöster des Reiches. Die Mönche sammelten die Urkunden über ihre Besitztümer und Rechte und schrieben sie im Jahre 1106 in einem Buch zusammen. Das Buch erhielt einen vergoldeten Buchdeckel (siehe Bild links) und wurde daher in späterer Zeit »liber aureus«, Goldenes Buch von Prüm, genannt.

Es wird jetzt als besondere Kostbarkeit in der Stadtbibliothek Trier aufbewahrt. In diesem Buch ist die Abschrift einer Tauschurkunde vom 20. Januar 867 enthalten, in der der Name »feia« erstmals erwähnt wird. Oberarchivrat Dr. Nolden vom Stadtarchiv Trier hat dankenswerterweise eine Kopie der für uns wichtigen Buchseite gefertigt. Die Darstellungen auf dem Buchdeckel bedeuten: Vor dem thronenden Christus erscheinen oben König Pippin und Karl der Große, die die Kirche in Prüm erbauen ließen. Huldigend halten unten Ludwig der Fromme, König Lothar (links), Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle (rechts) ihre Urkunden empor.

 

 

 

 

Aus der Urkunde im Goldenen Buch, in der Eiserfey erstmals erwähnt wird, ist die betreffende Seite hier abgedruckt. Das Wort »feia« ist in der Mitte der sechsten Zeile zu lesen. Die Urkunde ist, wie alle Urkunden dieser Zeit, in lateinischer Sprache abgefasst, der Satz lautet: ... ac in pago eiflinse in uilla feia de beneficio eliberti curtiles. IIII. ac de terra bunuaria LXVIII.

Dem folgenden Auszug aus der gesamten Urkunde (siehe Bild rechts) in deutscher Übersetzung sei zur Erläuterung vorangestellt:
Der erwähnte Graf Matfried (Matfried II; * um 820; † nach 882) war Graf in Jülichgau und Eifelgau. Sein Vasall Otbert verfügte über einen
großen und weit verzweigten Grundbesitz. 1 Bunuanium ist ein Flächenmaß= 140 Ar.

Im Namen des allmächtigen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi. Da wir, durch Gottes zuvorkommende Güte König, den Bitten unserer Getreuen gnädig gestimmt sind und uns um den Nutzen unserer ergebenen Diener in väterlicher Huld Sorge machen, setzen wir die Gewohnheit unserer frommen Vorfahren fort und zögern nicht, zweifellos dadurch unsere Getreuen für unseren Dienst noch mehr zu begeistern. Deshalb mögen die eifrigen Gläubigen der heiligen Kirche Gottes in Gegenwart und Zukunft erfahren, daß der uns ergebene Graf Matfried unserer Huld nahelegte, wie sein Vasall namens Otbert, der auch uns sehr lieb ist, einige Güter seines Eigentums mit rechtlich uns gehörigen Ländereien tauschen wollte und erreichte, daß wir ihm zahlreiche Gunstbezeugungen gewährt haben. So gab uns der genannte Otbert zu unserem Königsgut: … (Es folgen einige Namen von Besitztümern). Wir unsererseits schenken im Tausch mit jenen Gütern dem genannten Otbert von unseren Besitzungen: … (Es werden einige Besitzungen aus Moselgau und Zülpichgau genannt) ... und im Eifelgau in der Ortschaft feia aus dem Lehen des Elibertus 4 kleine Höfe und 68 Bunuaria …«

Der Ortsname in alten Urkunden (nach Jahreszahl geordnet):
867 kann nach der Urkunde im Goldenen Buch als frühestes bekanntes Jahr urkundlicher Erwähnung des Ortsnamens angenommen werden. Aufgekommene Zweifel, ob mit »uilla feia« Eiserfey oder Satzvey gemeint war, können heute als ausgeräumt gelten, da aus dem Zusammenhang der Nennung einer ganzen Reihe benachbarter Orte des damaligen Eifelgaues in der Urkunde nur Eiserfey gemeint gewesen sein kann.

893 wurde in Prüm unter Abt Regino ein Register angelegt, in dem der gesamte damalige Besitz der Abtei aufgelistet wurde. Von diesem Prümer Urbar sind zwei Abschriften erhalten. Die älteste aus dem Jahre 1222 wird im Landeshauptarchiv in Koblenz aufbewahrt. Im Text der Urkunden werden auch Besitztümer aufgeführt, die einem Vasallen (= Lehnsmann) namens Focco als Lehen überlassen waren. Der Urkundentext lautet: »Focco habet in harlesheym curtilem
I et silva ad porcos et in veye iugera VIIII et in holzheym iugera VIIII. »Focco besitzt in Harzheim 1 curtilis (kleiner Hof) und Wald für die Schweine und in Veye (Eiserfey) 9 Morgen und in Holzheim 9 Morgen.«

1250 soll in einem Weistum von Zülpich angeblich eine Schmiede oder Eisenhütte erwähnt sein

1300 Grundherr des Ortes »Voie« ist die Abtei Prüm.

1344 In einer Urkunde des Pfarrarchivs Münstereifel heißt es: »16. Mai 1344. Gerardus genannt Wendsac und seine Gemahlin Wintrudis zu Irsenveie verkaufen an Dekan und Kapitel zu Münstereifel eine Rente von 1 Mark zu einem Jahrgedächtnis … Zum Unterpfand setzen sie ein Lehnsgut zu Irsenveie.

1502 Im Urkundenbuch der Abtei Steinfeld wird die Abtei als Inhaberin von zwei Gutshöfen in Yserenveye genannt.

1518 Im Einkünfteverzeichnis des Küchenmeisteramtes der Abtei Steinfeld wird Yservey erwähnt.

1535 Das kurkölnische Lehen Haus Weyer besitzt Land in Veye. (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf).

1580 In einer Urkunde des Stifts Münstereifel wird Iservey bei den dem Stift zehntpflichtigen Orten genannt.

1730 In Schriftstücken der Mühlenakten von Eiserfey wird der Ort EißerVey und Eißervey genannt.

Die jüngeren schriftlichen Erwähnungen des Ortes stehen in erster Linie mit der aufblühenden Eisenindustrie in Eiserfey in Zusammenhang, die in einem anderen Abschnitt dieser Schrift behandelt wird.

 

Beitrag von Willi Brüll (†), ergänzt und überarbeitet von Wolfgang Meyer (aus "Zeitgeschichte mit Geschichten durch die Geschichte", Schrift ist beim Bürgerverein Eiserfey käuflich zu erwerben) 

Quellen und Literatur:
Riese, Das rheinische Germanien in antiken Schriften, Nr. 3134 –3136
Mürkens, Orts- und Bachnamen des Kreises Euskirchen, S. 13 ff.
Beyer, Mittelrheinisches Urkundenbuch I, S. 113 und 177
Grimm, Weistümer, II, S. 688
Fabricius, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, V. S. 231
Tille=Krudewig, Archiv-Uebersicht, I. S. 194
Website: http://www.nikolaus-reinartz.de/texte/20feytal.html
Klaus Krüger, War Satzvey, Eiserfey oder Kirchsahr gemeint?, Jahrbuch 1990, Kreis Euskirchen
Karl Guthausen (Realschullehrer), Unsere Ortsnamen, Heimatkalender 1969, Landkreis Schleiden
Dr. Antonius Jürgens, In Nettersheim wurde alte Geschichte neu belebt, Jahrbuch 1978, Kreis Euskirchen